German Craft Skills

01.12.2025 22:00

Wo Millimeter über den Sieg entscheiden

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Millimeterarbeit unter Wettkampfdruck: Beim bayerischen Vorentscheid der German Craft Skills in Augsburg treten die besten Anlagenmechaniker und die besten Spengler gegeneinander an. Innerhalb von siebeneinhalb Stunden zeigen sie, dass sie ihr Handwerk beherrschen – bis ins kleinste Detail.

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tl_files/SHK/img/presse/2025-12-01-02-teilnehmer.jpgWenn in den Schulungsräumen der Innung Augsburg konzentrierte Stille herrscht, dann ist klar: Hier geht es um jeden Handgriff. Fünf Anlagenmechaniker, eine Anlagenmechanikerin und fünf Spengler messen sich bei der Bayerischen Meisterschaft der German Craft Skills – jeweils in ihrem Gewerk. Auf dem Spiel steht nicht nur der Landestitel – sondern auch die Chance, Deutschland bei den World Skills zu vertreten, dem internationalen Kräftemessen der besten Handwerkerinnen und Handwerker der Welt. Einer, der diesen Wettbewerb seit Jahren mit Herzblut begleitet, ist Prüfer Patrick Stimpfle aus Tussenhausen im Unterallgäu. Früher ist er selbst schon beim Wettbewerb dabei gewesen und weiß
aus erster Hand, was die Teilnehmenden hier leisten. „Viele denken: Was die da machen, hat doch nichts mit unserem Beruf zu tun. Das stimmt nicht – das ist sogar noch viel mehr als unser Beruf“, sagt er und schaut über die Werkbänke. „Es geht hier um höchste Präzision, um handwerkliche Leidenschaft und um das, was unser Handwerk im Kern ausmacht.“

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Die Gewinner von links: Tim Bensch (Spengler) und Mika Turnage (Anlagenmechaniker SHK).

Wettkampf mit Geschichte

Die World Skills sind nach dem Zweiten Weltkrieg aus einer einfachen, aber starken Idee entstanden: Menschen sollen sich im Handwerk messen – nicht im Krieg. Heute sind die World Skills das größte Berufswettbewerbsformat der Welt, an dem sich unzählige Gewerke beteiligen. In Jahren ohne World Skills finden die Euro Skills statt. Die German Craft Skills bilden die nationale Vorstufe: In Augsburg ist jetzt die Bayerische Meisterschaft ausgetragen worden. Die Siegerinnen und Sieger der beiden Gewerke – Anlagenmechaniker SHK und Spengler – sind für die deutsche Meisterschaft in Leipzig qualifiziert. Dort entscheidet sich, wer Deutschland bei den World Skills vertreten darf. Für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zählt jeder Handgriff. Innerhalb von siebeneinhalb Stunden müssen sie zeigen, was sie können: Biegen, Löten, Hartlöten, Pressen, Gewindeschneiden, Elektroarbeiten – alles, was zum Berufsalltag gehört, wird abgefragt. Bewertet werden Maßgenauigkeit, Sauberkeit und Zeitmanagement. Die Toleranz beträgt gerade einmal zwei Millimeter.

tl_files/SHK/img/presse/2025-12-01-04-werkstatt.jpgModernes Handwerk

„Genauigkeit ist das A und O“, sagt Patrick Stimpfle. „Wer hier zwei Millimeter daneben liegt, kann sich die beste Technik sparen. Das ist das Faszinierende an diesem Wettbewerb: Am Ende entscheidet oft ein winziger Unterschied über Sieg oder Niederlage.“ Doch es geht nicht nur um Perfektion, sondern auch um Organisation. „Viele unterschätzen das Zeitmanagement“, sagt Patrick Stimpfle. „Man muss sich die Arbeit richtig einteilen. Wenn am Schluss fünf Minuten fehlen, um die letzte Lötstelle sauber zu machen, kann alles umsonst gewesen sein.“ Für Außenstehende ist der Wettbewerb eine beeindruckende Gelegenheit, zu sehen, was modernes Handwerk bedeutet. Für die Sieger gibt es am Ende nicht nur Applaus, sondern auch handfeste Gewinne: Der Fachverband SHK Bayern sponsert Geldpreise und Eintrittskarten für die Fachmesse IFH/Intherm in Nürnberg – inklusive Bahnfahrt. Außerdem gibt es hochwertiges Werkzeug-Equipment von BS Systems für die drei Erstplatzierten.

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Werbung für Betrieb

Am Ende eines langen Wettkampftages heißen die Gewinner 2025 in Augsburg bei den Anlagenmechanikern Mika Turnage aus Unterfranken und bei den Spenglern Tim Bensch aus Mittelfranken. Beide sind die bayerischen Vertreter bei der deutschen Meisterschaft in Leipzig. „Der erste Platz fühlt sich super an“, sagt Mika Turnage nach dem Wettbewerb. „Das ist nicht nur gute Werbung für meinen Betrieb, sondern auch eine tolle Chance – da kann man schon mal über das Gehalt verhandeln.“ Für Patrick Stimpfle ist die Begeisterung der jungen Talente der schönste Lohn. Er selbst ist seit vielen Jahren Prüfer – und jedes Mal aufs Neue beeindruckt. „Das Gefühl, bei so einem Wettbewerb dabei zu sein, ist toll – auch für uns Prüfer“, sagt er. „Diese Wettbewerbe zeigen, wie anspruchsvoll, kreativ und modern unser Beruf ist.“
Die German Craft Skills sind weit mehr als ein Wettbewerb - sie sind eine Bühne für das Handwerk. „Ich wünsche mir, dass mehr Kolleginnen und Kollegen sehen, was hier geleistet wird“, sagt Patrick Stimpfle. „Denn wer einmal dabei gewesen ist, geht mit einem ganz neuen Stolz auf unser Handwerk nach Hause.“

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Die Prüfer bei der Arbeit.



Fotos: Innung SHK

 

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